Haben Sie wenig Platz im Garten, möchten aber trotzdem Obst anbauen? Oder suchen Sie nach einem natürlichen Sichtschutz? Dann sollten Sie Spalierobst pflanzen, das ist die Lösung!
Spalierobst spart Platz, bringt reichlich Obst und sieht auch noch gut aus. In diesem Artikel erfahren Sie, warum Spalierobst eine hervorragende Wahl für Garten, Balkon oder Terrasse ist, wie es erfolgreich gepflanzt wird und welche Vorteile es bietet.
Inhalte
Was ist Spalierobst?
Spalierobst beschreibt Obstbäume, die so erzogen werden, dass ihre Äste flach an einem Gerüst – dem Spalier – wachsen. Das Besondere daran: Statt wild in alle Richtungen zu wachsen, werden die Äste gezielt so geleitet, dass sie nur waagerecht oder in einer vorgegebenen Form verlaufen. Dadurch entsteht die typische Wuchsform des Spalierobstes.
» Warum Spalierobst pflanzen?

Spalierobst bietet viele Vorteile, besonders wenn der Platz rar ist. Durch die Nutzung von Wänden, Zäunen oder Pergolen als Stützstrukturen können die Bäume vertikal angebaut werden und auf kleinem Raum eine beeindruckende Ernte erzielen. Ob Spalierobst frei stehend, als Hecke oder an Hauswänden gepflanzt wird – jeder verfügbare Platz lässt sich optimal nutzen.
Ebenso verbessert die vertikale Anordnung die Luftzirkulation, was das Risiko von Krankheiten verringert und zu gesünderen Bäumen führt. Dank der klaren Struktur lassen sich auch Schädlinge und Krankheiten viel besser erkennen und schnell bekämpfen. Doch ebenso ist Spalierobst auch ein dekoratives Element, das den Garten bereichert.
» Welche Spalierobst-Sorten gibt es?
Beim Spalierobst handelt es sich um eine Erziehungsform und dafür sind im Grunde alle jungen Obstbäume geeignet, am besten jedoch solche, die nicht zu stark wachsen. Zu den beliebtesten Sorten gehören:
- Äpfel (Malus domestica)
- Birnen (Pyrus communis Williams Christ)
- Kirschen (Prunus Kordia)
- Zwetschgen (Prunus domestica)
Tipp: Wer gern neue Sorten probiert, statt die typischen Klassiker, ist mit der Felsenbirne als Spalierobst gut beraten.
» Spalierobst für kleine Gärten: So klappt’s!
In kleinen Gärten wird genau überlegt, was gepflanzt wird. Spalierobst bietet hier eine ideale Lösung, da es vertikal wächst und weniger Platz benötigt als traditionelle Obstbäume. Sollte selbst Spalierobst nicht in den kleinen Garten passen, könnte Säulenobst eine optimale Alternative sein. Säulenobstbäume wachsen schlank und kompakt in die Höhe und benötigen noch weniger Platz als Spalierobst. Sie eignen sich besonders gut für Mini-Gärten, Balkone oder Terrassen und sind sehr pflegeleicht.
» Spalierobst im Kübel pflanzen
Auch ohne Garten, auf einer Terrasse oder einem Balkon, lässt sich Spalierobst hervorragend in Kübeln ziehen. Wichtig ist ein ausreichend großer Topf (mindestens 40 Liter Volumen) sowie eine gute Drainageschicht, um Staunässe zu vermeiden. Kompakte Sorten wie Zwergäpfel oder Zwergbirnen eignen sich besonders gut für den Kübelanbau. Auch Feigen, die ohnehin gern im Kübel gepflanzt werden, lassen sich als Spalierobst ziehen. Ein regelmäßiger Schnitt ist hier jedoch entscheidend, um den kompakten Wuchs zu erhalten.
Tipp: Eine regelmäßige Düngung und Bewässerung sind wichtig, da Kübelpflanzen schneller austrocknen.
Spalierobst pflanzen
» Pflanzzeitpunkt
Der ideale Zeitpunkt zum Pflanzen von Spalieräpfeln und Spalierbirnen ist im Herbst. Bei frostempfindlichen Arten wie Aprikosen, Pfirsichen und Feigen ist das Frühjahr die bessere Wahl.
» Standort
Ein sonniger Standort mit guter Luftzirkulation ist ideal. Der richtige Abstand zwischen den Pflanzen ist entscheidend für das Wachstum und die Ernteerträge, wobei es immer auf die jeweilige Sorte ankommt. Im Allgemeinen gilt:
- Zwischen den Reihen: Etwa 1,5 bis 2 Meter.
- Zwischen den Pflanzen innerhalb der Reihe: Etwa 1 Meter bis 2 Meter
» Spalier bauen
Nach der Standortwahl wird ein geeignetes Spalier gebaut. Wandspaliere bestehen aus waagerechten Holzleisten oder Bambusstäben und sollten mindestens zehn, besser 20 Zentimeter von der Wand entfernt sein, um eine gute Belüftung zu gewährleisten. Alternativ können Drahtspaliere verwendet werden, bei denen kunststoffummantelte Spanndrähte zwischen senkrechten Holzbalken gespannt und straff gezogen werden.
Für freistehende Spaliere werden Holz- oder Metallpfähle im Abstand von zwei bis drei Metern betoniert. An diesen Pfählen werden waagerechte Leisten oder Drähte in Höhenabständen von 40 bis 60 Zentimetern befestigt. Wer sich kein Spalier selber bauen möchte, hat die Möglichkeit, ein vorgefertigtes Spalier zu kaufen.
» Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1: Vorbereitung des Untergrunds
Zuerst wird ein großes Pflanzloch in der Mitte des Spaliers ausgegraben. Dabei sollte genügend Abstand zur Hauswand eingehalten werden, da die Erde dort oft trockener ist. Das Pflanzloch sollte etwa doppelt so breit wie der Wurzelballen sein. Anschließend wird der Boden im Pflanzbereich gründlich aufgelockert. Um die Bodenfruchtbarkeit zu verbessern, wird Kompost hinzugefügt.
Schritt 2: Pflanzung des Spalierbaums
Jetzt wird der Baum schräg ins Pflanzloch gesetzt, damit die Krone am Spalier befestigt werden kann. Danach wird der Wurzelballen platziert und das Loch mit Erde und Laubhumus aufgefüllt, um die Wasserspeicherung im Boden zu verbessern. Anschließend wird die Erde vorsichtig festgedrückt und gründlich gegossen. Zum Schluss werden die Triebe mit einer Hohlschnur am Spalier fest gebunden, dabei darf die Schnur nicht eindrücken.
Tipp: Einzelne Äste können mit einem Astspreizer in Form gebracht werden.
Pflanzenerziehung beim Spalierobst

Die Erziehungsform des Spalierobstes hängt sowohl von der jeweiligen Obstsorte als auch von den Platzverhältnissen im Garten ab. Für weniger geübte Hobbygärtner im Obstbaumschnitt ist vorgeformtes Spalierobst oft die einfachere Wahl.
Spalier-Typ | Beschreibung |
---|---|
Waagerechte Palmette | Der häufigste Spaliertyp bei Äpfeln und Birnen ist die sogenannte waagerechte Palmette. Hierbei hat der Baum einen durchgehenden senkrechten Mitteltrieb und seitliche Leitäste, die waagerecht abzweigen und in Etagen angeordnet sind. Diese Form eignet sich besonders gut für breite Hauswände, da die Seitenäste entsprechend lang wachsen können. |
U-Spalier | Für schmalere Bereiche bietet sich das sogenannte U-Spalier an. Bei diesem Typ wird der Mitteltrieb oberhalb der ersten oder zweiten Ast-Etage entfernt. Die seitlichen Leitäste werden zunächst waagerecht geführt und dann senkrecht hochgezogen, sodass ein „U“ entsteht. Diese Form kann auch mit mehreren Etagen angelegt werden. |
Schnurbaum | Ist der Platz nach oben begrenzt oder soll das Spalierobst eher niedrig bleiben, ist der Schnurbaum eine gute Wahl. Dieser besitzt keinen Mitteltrieb, sondern lediglich zwei waagerechte Seitenäste. Eine Variante hiervon ist der Einarmige Schnurbaum, der nur aus einem waagerechten Leitast besteht. |
Schräge Palmette | Für Steinobstarten wie Pfirsiche und Aprikosen bietet sich die Schräge Palmette an, bei der die Seitenäste schräg nach oben gezogen werden, um die Fruchtbarkeit zu erhöhen. |
Fächerbaum | Eine weitere Spalierform ist der Fächerbaum, bei dem der Mitteltrieb gekappt wird und die Seitentriebe in unterschiedlichen Winkeln strahlenförmig verlaufen – manchmal auch in der Form eines Doppelfächers, der von zwei waagerechten Leitästen ausgeht. |
Pflege und Schnitt von Spalierobst
Die Pflege von Spalierobst umfasst drei wichtige Punkte. Zuerst sollte regelmäßig gegossen werden, besonders in trockenen Zeiten, damit die Bäume genug Wasser bekommen. Dann ist es wichtig, organischen Dünger zu verwenden. Dieser fördert das Wachstum und stärkt die Pflanzen. Beim Spalierbaum schneiden orientiert man sich an den üblichen Methoden für Obstbäume, passt diese aber an die flache Form des Spaliers an.

» Erziehungsschnitt (im ersten Jahr)
Direkt nach der Pflanzung wird die Basis für die spätere Spalierform gelegt. Bei der waagerechten Spalierform bleiben beispielsweise zwei Haupttriebe stehen, die waagerecht entlang des Spaliers geleitet werden. Seitentriebe werden gekürzt, um die Energie in die Haupttriebe zu lenken.
» Erhaltungsschnitt (ab dem zweiten Jahr)
Der jährliche Winterschnitt entfernt überflüssige Triebe und hält die Struktur klar. Ziel ist es, kreuzende oder nach innen wachsende Zweige zu entfernen und die Krone luftig zu gestalten. Dabei wird auf den typischen Obstbaumschnitt geachtet: Junge Triebe werden auf wenige Knospen zurückgeschnitten, damit sie im nächsten Jahr Früchte tragen können.
» Sommerschnitt (Juli bis August)
Beim Spalierobst ist der Sommerschnitt besonders wichtig, um das Wachstum kontrolliert zu lenken. In dieser Zeit werden Wasserschosse entfernt, da senkrecht wachsende Triebe der Pflanze Energie entziehen können. Zudem werden lange Seitentriebe, die über das Spalier hinausschießen, gekürzt.
Häufige Probleme und Lösungen
» Krankheiten bei Spalierobst
Spalierobst kann von verschiedenen Krankheiten betroffen sein. Häufige Probleme sind Apfelschorf bei Äpfeln, die Monilia-Spitzendürre bei Kirschen oder Birnengitterrost bei Birnen. Es hängt jedoch auch stark von der Obstsorte ab, wie anfällig eine Pflanze für bestimmte Krankheiten ist.
» Schädlingsbefall
Rollende Blätter können ein Zeichen für Stress oder Schädlinge sein. Überprüfen Sie auf Blattläuse oder andere Insekten. Übermäßiger Befall lässt sich oft durch den Einsatz von Nützlingen wie Marienkäfern eindämmen.
» Spalierobst bildet keine Blüten
Wenn Spalierobst keine Blüten bildet und somit keine Früchte trägt, sind oft ein falscher Schnitt oder eine fehlende Bestäubung die Ursachen. Das Anpflanzen verschiedener Sorten in unmittelbarer Nähe kann die Bestäubung fördern und die Erträge steigern.
Eine praktische Alternative ist es, Spalierobst zu kaufen, bei dem bereits drei verschiedene Sorten in einem Topf kultiviert wurden (Familienbaum). Diese Sonderform benötigt keinen zusätzlichen Befruchter, da die Sorten optimal aufeinander abgestimmt sind.
Ein Kommentar
Schöner Artikel 🙂 Wir haben selber in unserem neu angelegten Garten einige Spalierobstbäume gepflanzt, unter anderem Weintrauben, Äpfel und Kirschen, sie gedeien wunderbar, jetzt ist es dieses Jahr grade das 4. Jahr und wir erhoffen uns auch einige Früchte.
Kann ich jedem nur empfehlen der wenig Platz in seinem Garten hat, jedoch nicht auf süße Früchte verzichten möchte.
Liebe Grüße
Tobi