Pflanzen sind nicht gerade günstig. Umso ärgerlicher, wenn man eine gerade erst erworbene Pflanze nach wenigen Tagen oder Wochen schon wieder entsorgen muss.
Der Kauf neuer Pflanzen für Garten, Balkon oder Wohnzimmer ist ein aufregendes Erlebnis. Doch der erste Eindruck kann täuschen, denn nicht jede Pflanze, die prächtig aussieht, ist auch wirklich gesund. Krankheiten, Schädlingsbefall oder Pflegefehler sind oft versteckte Probleme, die sich erst später zeigen. Um kranke Pflanzen bereits im Gartencenter oder in der Gärtnerei zu erkennen, hilft ein geschulter Blick. In diesem ausführlichen Ratgeber erfahren Sie, wie Sie gesunde Pflanzen auswählen und typische Krankheiten sowie Schadbilder frühzeitig erkennen.
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Warum ist es wichtig, kranke Pflanzen zu erkennen?
Kranke Pflanzen können schnell andere Gewächse in Ihrem Garten oder auf Ihrem Balkon anstecken. Pilzkrankheiten wie Mehltau oder Rost verbreiten sich oft über die Luft, während Schädlinge wie Blattläuse oder Spinnmilben von Pflanze zu Pflanze wandern. Wer kranke Exemplare kauft, riskiert also nicht nur Ärger und zusätzlichen Pflegeaufwand, sondern auch das Wohl seines gesamten Pflanzenbestands. Mit etwas Wissen und Geduld lassen sich jedoch gesunde Pflanzen auswählen, die Ihnen lange Freude bereiten.
Gesunde Pflanzen erkennen: Die wichtigsten Pflanzenteile im Überblick
Um eine Pflanze richtig zu beurteilen, sollten Sie sie gründlich inspizieren. Gehen Sie dabei systematisch vor – von den Blättern über die Stängel bis zu den Wurzeln.
Blätter: Der erste Gesundheitscheck

Blätter sind oft die erste Anlaufstelle, um den Zustand einer Pflanze zu beurteilen. Gesunde Blätter sind saftig grün, frei von Flecken und wirken kräftig. Doch selbst kleine Veränderungen, wie gelbe Ränder, Flecken oder ein welker Eindruck, können erste Anzeichen für Krankheiten oder Schädlinge sein.
- Gelbe Blätter sind ein häufiger Hinweis auf Chlorose. Ein Zustand, der durch Nährstoffmangel, geschädigte Wurzeln oder Staunässe entstehen kann. Besonders ein Mangel an Eisen oder Magnesium zeigt sich oft in gelben Blättern, während die Blattadern grün bleiben.
- Gelbe oder braune Flecken, oft von einem dunklen Rand umgeben, deuten auf Pilzkrankheiten wie die Blattfleckenkrankheit oder Rosenrost hin. Diese treten häufig bei feuchter Witterung auf und können die Pflanze schwächen.
- Ein weißer, pudriger Belag auf den Blättern ist ein typisches Zeichen für echten Mehltau, eine der bekanntesten Pilzkrankheiten. Graue, samtige Beläge hingegen lassen auf Grauschimmel (Botrytis) schließen, der oft bei feuchten Bedingungen auftritt. Pflanzen, die auch nur die Spur eines Grauschimmelbefalls zeigen, sollten Sie auf keinen Fall mit nach Hause nehmen.
- Ein genauer Blick lohnt sich, denn hier verstecken sich oft saugende Schädlinge wie Blattläuse, Schildläuse, Spinnmilben oder die Weiße Fliege. Klebrige Rückstände auf den Blättern sind ein klarer Hinweis auf Honigtau, die süßen Ausscheidungen dieser Insekten.
Schon ein genauer Blick auf die Blätter kann Ihnen helfen, potenzielle Probleme zu erkennen und kranke Pflanzen auszuschließen. Greifen Sie lieber zu Pflanzen mit gesunden, kräftigen Blättern ohne sichtbare Schadbilder.
Stängel und Triebe: Die tragende Struktur

Der Zustand von Stängeln, Trieben oder dem Stamm gibt wichtige Hinweise auf die Gesundheit einer Pflanze. Ein stabiler und unbeschädigter Stängel, der aufrecht wächst, ist ein klares Zeichen für eine vitale Pflanze. Beschädigungen oder ein weicher, instabiler Stamm hingegen können auf Krankheiten der Pflanze oder Pflegeprobleme hinweisen.
- Schwarze oder weiche Stellen an Stängeln sind ein Warnsignal, das Sie nicht übersehen sollten. Solche Symptome deuten häufig auf Stängelfäule hin, die durch eine Pilzinfektion verursacht wird. Pflanzen mit diesen Anzeichen sollten Sie besser nicht kaufen, da die Behandlung aufwendig ist und das Risiko besteht, dass sich die Krankheit auf andere Pflanzen ausbreitet.
- Besonders bei Obstbäumen können Risse in der Rinde auf Frostschäden hindeuten, die entstehen, wenn sich das Holz bei Temperaturschwankungen ausdehnt und zusammenzieht. Verdickungen oder dunkle Verfärbungen sind dagegen oft ein Anzeichen für Rindenbrand, eine Pilzinfektion, die die Baumgesundheit langfristig beeinträchtigen kann. Wählen Sie stattdessen Obstbäume mit einer glatten, intakten Rinde für einen guten Start in Ihrem Garten.
- Verkrümmte Triebe können auf Gallmilben hinweisen, winzige Schädlinge, die die Pflanze schwächen. Auch Virusinfektionen sind möglich und führen zu unnatürlichem Wuchs. Diese Erkrankungen sind oft schwer zu behandeln, daher besser die Finger von den Pflanzen lassen.
Knospen und Blüten: Mehr als nur schön

Es ist leicht, sich von prächtigen Blüten beeindrucken zu lassen, doch auch hier können Krankheitsanzeichen versteckt sein.
- Verkrüppelte oder verklebte Knospen sind oft ein Zeichen für Thripse, winzige Schädlinge, die sich von Pflanzensäften ernähren und die Knospen schädigen. Besonders Usambaraveilchen, Alpenveilchen, Calathea, Canna, Monstera und Orchideen sind von der Blütenthripse betroffen. Auch Blütenfäule (Botrytis) kann die Ursache sein. Dieser Grauschimmelpilz tritt häufig bei feuchtem Wetter auf und lässt Blüten sowie Früchte von Erdbeeren und Weintrauben verderben.
- Unnatürliche Farben oder Muster in Blüten, wie Streifen oder Flecken, deuten häufig auf Krankheiten hin. Beim Tulpenfeuer, einer Pilzkrankheit, zeigen sich solche Symptome, die oft mit welkenden oder verbrannt wirkenden Blättern einhergehen.
- Wenn Knospen abfallen, bevor sie sich öffnen, steckt oft Stress dahinter. Ursachen können Trockenheit, Staunässe oder ein Nährstoffmangel sein. Auch plötzliche Standortwechsel oder extreme Temperaturschwankungen setzen der Pflanze zu und führen dazu, dass sie ihre Knospen nicht weiter versorgen kann.
Prächtige Blüten sind zwar ein schöner Anblick, können aber auch Krankheitsanzeichen verbergen. Hier lohnt sich ein zweiter Blick.
Wurzeln: Der unsichtbare Gesundheitsindikator
Die Wurzeln einer Pflanze sind entscheidend für ihre Vitalität. Leider werden sie oft vernachlässigt, da sie bei Topfpflanzen nicht direkt sichtbar sind. Ziehen Sie die Pflanze, wenn möglich, vorsichtig aus dem Topf, um den Wurzelballen zu prüfen. Gesunde Wurzeln sind hell, fest und gut verzweigt.
- Schwarze, matschige oder muffig riechende Wurzeln sind ein klares Zeichen für Wurzelfäule, die durch Staunässe oder schlechte Belüftung des Bodens verursacht wird. Die betroffenen Wurzeln sterben ab und können keine Nährstoffe mehr aufnehmen, was die Pflanze schnell schwächt.
- Ein völlig durchwurzelteter Topfballen ist ein typisches Zeichen dafür, dass die Pflanze zu lange im selben Topf stand. Die Wurzeln wachsen spiralförmig und finden keinen Platz mehr, um neue Nährstoffe aufzunehmen. Das führt zu Wachstumsproblemen und einem Nährstoffmangel. Hier hilft ein größeres Gefäß und das vorsichtige Lösen der verfilzten Wurzeln, um der Pflanze wieder Raum für ein gesundes Wachstum zu geben.
Häufige Krankheiten bei beliebten Pflanzenarten

Je nach Pflanze treten bestimmte Krankheiten besonders häufig auf. Hier einige Beispiele:
- Rosen:
- Rosenrost: Orangefarbene Sporen auf der Blattunterseite.
- Sternrußtau: Schwarze Flecken auf den Blättern.
- Obstbäume:
- Mehltau: Weißer Belag auf Blättern und Trieben.
- Monilia-Fruchtfäule: Mumifizierte Früchte und abgestorbene Triebe.
- Zierpflanzen:
- Grauschimmel: Grauer, samtiger Belag auf Blättern und Blüten.
- Blattfleckenkrankheit: Braune oder schwarze Flecken mit gelbem Rand.
Weitere Tipps für den Pflanzenkauf
Neben der Prüfung der einzelnen Pflanzenteile sollten Sie auch auf andere Hinweise achten. Gequetschte Blätter oder abgebrochene Triebe sind oft die Folge unsachgemäßen Transports und können Krankheiten begünstigen. Im Frühjahr ist die Auswahl an frischen, gesunden Pflanzen oft am besten, da sie gerade aus der Aufzucht kommen. Achten Sie zudem auf unnatürlich glänzende Blätter, diese wurden häufig mit Mitteln behandelt, die Probleme kaschieren.
Fazit: Mit einem geschulten Blick nur gesunde Pflanzen kaufen
Pflanzenkauf ist nicht nur eine Frage des Aussehens. Wer sich die Zeit nimmt, die Pflanze gründlich zu prüfen, kann kranke Exemplare zuverlässig aussortieren. Nutzen Sie diesen Ratgeber als Leitfaden, um typische Krankheiten wie Mehltau, Rosenrost oder Wurzelfäule rechtzeitig zu erkennen. Mit etwas Geduld und dem richtigen Blick holen Sie sich gesunde Pflanzen nach Hause, die Ihnen lange Freude bereiten und Ihren Garten oder Balkon bereichern. 🌱