Die richtige Bewässerung ist das A und O, um kräftige und gesunde Gemüsepflanzen zu ziehen. Aber wie oft sollte Gemüse eigentlich gegossen werden, und wie viel Wasser braucht jede Sorte? In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie Ihre Gemüsepflanzen richtig gießen, typische Fehler vermeiden und worauf es bei den verschiedenen Gemüsearten ankommt.

Grundlagen des richtigen Gießens

» Wie viel Wasser braucht Gemüse?

Gemüse besteht zu einem großen Teil aus Wasser, das ist kein Geheimnis. Tomaten beispielsweise zu über 90 Prozent, Melonen sogar noch mehr. Kein Wunder also, dass ausreichend Wasser eine der wichtigsten Grundlagen für unser Gemüse ist. Besonders in der Wachstums- und Fruchtbildungsphase steigt der Wasserbedarf noch deutlich an.

Eine Faustregel besagt: In der Hauptwachstumsphase brauchen die meisten Gemüsesorten etwa 15 bis 25 Liter Wasser pro Quadratmeter und das pro Woche.

Quelle: gartnwissn.de

Die Faustregel ist zwar nur ein grober Richtwert, aber immerhin. Natürlich hängt der genaue Bedarf auch von der regionalen Niederschlagsmenge, der Gemüsesorte und der Bodenbeschaffenheit ab.

» Wie oft sollte Gemüse gegossen werden?

Bei sonnigen Standorten und an heißen Tagen verdunstet das Wasser schneller, weshalb oft tägliches Gießen erforderlich ist. Steht das Gemüse hingegen im Schatten oder bei kühleren Temperaturen, können Sie längere Gießpausen einlegen. Ein Rhythmus von zwei bis drei Tagen ist hier meist ausreichend.

Gemüse gießen wie oft
Gemüse wird regelmäßig gegossen. | © Viktor Iden / stock.adobe.com

Auch das Alter der Pflanzen ist entscheidend. Junge Pflanzen mit feinen Wurzeln trocknen schneller aus und brauchen häufiger Wasser, aber in kleinen Mengen. Ältere, tief wurzelnde Pflanzen sind dagegen robuster und überstehen Trockenperioden besser. Dann sollte allerdings gründlich gegossen werden, damit das Wasser tief in den Boden eindringt.

Die Bodenart spielt ebenfalls eine Rolle. Sandige Böden trocknen schneller aus, während lehmige Böden viel länger Feuchtigkeit speichern. Die Fingerprobe hilft, den Wasserbedarf einzuschätzen. In fünf Zentimetern Tiefe sollte die Erde leicht feucht sein. Ist sie trocken, wird gegossen. Ist sie klatschnass, droht Staunässe, die unbedingt vermieden werden sollte.

» Gemüse gießen: Viel oder wenig Wasser?

Wenn Sie wissen, wie tief Gemüsepflanzen wurzeln, können Sie abschätzen, ob Sie viel oder wenig Wasser geben müssen, um die entsprechenden Erdschichten ausreichend zu wässern.

  • Flachwurzler sind Pflanzen, die nur bis etwa 20 Zentimeter Tiefe reichen. Sie sind daher stark auf das zusätzliche Gießen angewiesen.
  • Mitteltiefwurzler dringen 40 bis 60 Zentimetern tief in den Boden vor. Sie nutzen sowohl das Wasser aus den oberen als auch aus den mittleren Bodenschichten.
  • Tiefwurzler erreichen Wurzeltiefen von 80 Zentimetern und mehr. Dadurch können sie auch Feuchtigkeit aus tieferen Bodenschichten aufnehmen und Trockenperioden besser überstehen.

Schon gewusst? In der Mischkultur werden Pflanzen mit unterschiedlichen Wurzeltiefen nebeneinander angebaut. So wird der Boden optimal genutzt und die Pflanzen konkurrieren nicht um Wasser oder Nährstoffe.

» Wasserbedarf von Gemüsesorten: Übersicht

Häufig ist zu beobachten, dass ein hoher Wasserbedarf mit einem hohen Nährstoffbedarf einhergeht. Starkzehrer wie Artischocken oder Kürbisse brauchen mehr Wasser, während Schwachzehrer wie Erbsen weniger benötigen. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Gemüsesorten im Garten, ihren Wasserbedarf und ihre Wurzeltypen:

GemüseWasserbedarfWurzeltypBewässerungstipps
ErbsenGering bis mittelMitteltiefwurzlerZu viel Wasser vermeiden, da Mehltaugefahr besteht
GurkenSehr hochMitteltiefwurzlerBoden gleichmäßig feucht halten, Tropfbewässerung ideal
KartoffelnMittel bis hochMitteltiefwurzlerWährend der Knollenbildung gleichmäßig feucht halten, Staunässe vermeiden
KohlartenHochMitteltiefwurzlerGleichmäßige Feuchtigkeit, besonders bei Hitze wichtig
MangoldMittel bis hochMitteltiefwurzlerRegelmäßiges Gießen fördert die Bildung zarter Blätter
MöhrenMittelTiefwurzlerTiefenfeucht gießen, zu viel Wasser kann Risse verursachen
PaprikaMittelMitteltiefwurzlerGleichmäßig feucht, Trockenheit während Fruchtbildung vermeiden
Rote BeteMittel bis hochMitteltiefwurzlerGleichmäßig feucht gießen, Staunässe vermeiden
SalatHochFlachwurzlerRegelmäßig bei Hitze gießen, für zarte Blätter
TomatenHochTiefwurzlerBodennah gießen, Staunässe vermeiden, Blätter trocken halten
ZucchiniHochFlach- bis MitteltiefwurzlerHäufig gießen, besonders bei Fruchtbildung
ZwiebelnGeringFlachwurzlerGeringer Bedarf, während Wachstum trockener halten

» Regenwasser oder Leitungswasser – Was ist besser?

Regenwasser sammeln zum Gemüse gießen
Regenwasser ist günstiger als Leitungswasser. | © schulzie / stock.adobe.com

Regenwasser gilt als besonders weich und weist einen niedrigeren pH-Wert auf. Während der Verdunstung und Kondensation wird es nahezu vollständig gereinigt. Dadurch enthält es im Vergleich zu Grundwasser oder Trinkwasser nur sehr geringe Mengen an gelösten Mineralien, die meist aus Partikeln in der Luft stammen.

Zudem wird das Gießen mit Leitungswasser auf Dauer teuer. Daher eignet sich Regenwasser zur Bewässerung von Gemüsepflanzen optimal, da es obendrein noch frei von Zusätzen wie Chlor und somit verträglicher ist. Regenwasser kann auch leicht aufgefangen oder direkt ins Beet geleitet werden.

Tipp: Brunnenwasser kann eine Alternative sein, muss aber auf Kalk- und Mineralgehalt geprüft werden, da zu hartes Wasser nicht für alle Pflanzen geeignet ist.

Gemüse gießen an heißen Sommertagen

An heißen Sommertagen ist es ratsam, unbedingt morgens zu gießen. Dann ist der Boden noch kühl und das Wasser verdunstet kaum. Eine Mulchschicht kann zudem helfen, die Feuchtigkeit im Boden länger zu halten und den Wasserverbrauch dadurch zu reduzieren.

» Mulch als Schutz vor Austrocknung

Das Mulchen mit Stroh eignet sich für viele Gemüsepflanzen, da es Feuchtigkeit speichert, den Boden schützt und Unkraut unterdrückt. Tomaten, Gurken, Zucchini und Salat profitieren besonders, während trockenheitsliebende Pflanzen wie Erbsen oder Zwiebeln, wenn, dann nur sparsam gemulcht werden sollten, um Staunässe zu vermeiden. Das Stroh muss jedoch gut ausgedroschen sein, damit im nächsten Frühjahr kein Getreide im Garten wächst.

Gemüse im Gewächshaus gießen

Im Gewächshaus erhöht die Wärme den Wasserbedarf der Gemüsepflanzen, während die geringe Luftzirkulation die Verdunstung verstärkt. Gegossen wird am besten morgens, damit die Pflanzen das Wasser gut aufnehmen können. Tropfsysteme oder Perlschläuche sind hilfreich, da sie das Wasser gezielt zu den Wurzeln leiten. Regelmäßiges Lüften senkt die Luftfeuchtigkeit und vermeidet Schimmelbildung.

Tipp: Ist die obere Erdschicht leicht trocken, aber die darunterliegende Erde noch feucht, kann das Gießen im Gewächshaus noch warten.

Bewässerungssysteme: Gießkanne, Tropfsysteme, Sprenger

Bewässerung im Gemüsebeet
Tropfsysteme eignen sich für Freilandbeete, Hochbeete und fürs Gewächshaus. | © FotoHelin / stock.adobe.com

Die Gießkanne ist besonders praktisch, um Gemüse in Kübeln wie Tomaten, Paprika oder Kräuter zu gießen. Mit der punktuellen Bewässerung werden die empfindlichen Blätter nicht nass, was die Pflanzen gleichzeitig vor Pilzkrankheiten schützt.

Ein Tropfsystem eignet sich hervorragend für Freilandbeete, Hochbeete und für Gemüsebeete im Gewächshaus. Es versorgt Pflanzen wie Salat, Gurken oder Karotten gleichmäßig mit Wasser und erfordert nach der Installation nur wenig Aufwand.

Ein Sprenger ist optimal für große Gemüsebeete mit robusten Pflanzen wie Kohl, Kürbis oder Mais. Er bewässert die Fläche schnell und gleichmäßig, wodurch die Pflanzen zuverlässig mit Wasser versorgt werden. Dabei sollte jedoch unbedingt auf die richtige Tageszeit geachtet werden: morgens oder abends Gießen verhindert, dass Wassertropfen in der prallen Sonne die Blätter verbrennen.

» Praktische Tipps für die Bewässerung

  • 1 Liter Wasser reicht, um die Bodenschicht auf einem Quadratmeter etwa einen Zentimeter tief zu durchfeuchten.
  • Gemüsepflanzen mit großen oder dünnen Blättern benötigen mehr Wasser als solche mit dicken Blättern. Große Blätter verdunsten mehr Wasser und dünne Blätter speichern weniger Feuchtigkeit.
  • Ein einfacher Trick zur Messung der Regenmenge: Stellen Sie ein Glas auf das Gemüsebeet und messen Sie nach dem Regen die Wassermenge. Steht das Wasser im Glas etwa 1,5 cm hoch, entspricht das etwa einer gleichmäßigen Durchfeuchtung der oberen Bodenschicht.
  • Wer kein Bewässerungssystem kaufen möchte, kann mit einfachen Mitteln selbst eines bauen. Beispielsweise eignet sich die Tonkegel-Bewässerung für Pflanzen, die Wasser auf den Blättern nicht gut vertragen.

Gemüse richtig gießen: So bleibt alles gesund!

Jede Gemüsesorte hat ihre eigenen Bedürfnisse, einige mögen es gerne gleichmäßig feucht, andere kommen auch mit weniger Wasser gut aus. Beobachten Sie am besten das Wetter und den Boden genau, gießen Sie zur passenden Tageszeit und vermeiden Sie Staunässe.

Neben dem Gießen braucht es aber auch etwas Pflege. Unkraut entfernen, den Boden lockern und richtig düngen, fördern das Wachstum und machen Ihr Gemüse stark.

Haben Sie noch Fragen oder möchten Sie Ihre Erfahrungen teilen? Hinterlassen Sie gerne einen Kommentar! 🙂


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Ringo von Gartentipps.com

Ringo ist Gründer und Chef-Redakteur von Gartentipps.com. Hat auf dem Dorf (bei Oma) zwischen Stachelbeeren, Kirschbaum und Hühnerhof seine Leidenschaft fürs Gärtnern entdeckt.

2 Kommentare

  1. Hans - Jürgen Krause on

    Habe gerade den Artikel über Regenwasser gelesen. Da kann man ja nur lachen, wo und wie kommen die Mineralien ins Regenwasser da steht wohl einer und sprüht sie rein!? Antwort:
    Erst wenn Regenwasser ins Erdriech versicker,t gelangen die Mineralien da hinein. Hatte wohl einer keine Ahnung……..
    Mit freundlichen Grüßen
    Hans-Jürgen

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