Was früher gängig war, erlebt derzeit ein Comeback. Die Rede ist davon, Farben aus Pflanzen selbst herzustellen. Ich verrate Ihnen hier, wie es geht.
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Warum macht es Sinn, Pflanzenfarben selbst herzustellen?
Wir leben in einer Zeit, in der das Thema Nachhaltigkeit eine immer größer werdende Rolle spielt. Es geht darum, Dinge nicht zu verschwenden und darauf zu achten, dass wir nicht mehr nehmen, als die Natur uns geben kann. Und das fängt schon bei kleinen Dingen an. Beispielsweise etwa beim Basteln mit Kindern. Warum synthetische Farbstoffe verwenden, wenn Sie Farben aus Pflanzen selbst herstellen können? Das ist nicht nur vollkommen einfach, sondern auch ein spannendes Erlebnis für Kinder. Welche Pflanzen sich dafür eignen und wie Sie aus diesen Farben herstellen können, erkläre ich Ihnen nachfolgend etwas genauer. Doch erst einmal: Warum macht es eigentlich Sinn, Farbe aus Pflanzen selbst herzustellen?
• umweltfreundlich
Synthetische Farben enthalten oft schädliche Chemikalien, die sowohl der Umwelt als auch unserer Gesundheit schaden können. Pflanzenfarben sind hingegen ungiftig, biologisch abbaubar und außerdem schonen sie die Umwelt.
• nachhaltig
Machen Sie Pflanzenfarben selbst, verwenden Sie dabei nachwachsende Rohstoffe. Viele der verwendeten Pflanzen können Sie nämlich selbst im Garten anbauen oder wild sammeln.
• bewahrt die Tradition und Kultur
Die Herstellung von Pflanzenfarben ist nicht nur umweltfreundlich, sondern auch ein uraltes Handwerk, das uns mit den Traditionen und Techniken unserer Vorfahren verbindet. Denn schon unsere Urgroßeltern haben auf diese Weise unter anderem Ostereier, Kerzenwachs oder sogar Kleidung gefärbt und Bilder gemalt. Kinder lernen auf diese Weise also sogar etwas von den früheren Zeiten kennen, als es noch keine Tuschkästen oder Fingermalfarben gab.
• fördert die Kreativität
Pflanzenfarben selbst herzustellen, fördert nicht nur die Kreativität, sondern auch die Experimentierfreudigkeit. Naturfarben bieten schließlich eine Vielzahl an Farbnuancen, die sich je nach Erntezeitpunkt, Standort und Verarbeitung unterscheiden. Somit können Sie einzigartige und individuelle Farbkreationen erschaffen.
Wie kommt die Farbe in Pflanzen?

Die Farben in Pflanzen entstehen durch verschiedene natürliche Pigmente, welche unterschiedliche Funktionen haben und in verschiedenen Pflanzenteilen vorhanden sind. Für die Farben in Pflanzen sind vor allem die folgenden Pigmente verantwortlich:
Pigment | Farbe | Vorkommen |
---|---|---|
Chlorophyll | Grün | Blätter, Stängel |
Carotinoide | Gelb, Orange, Rot | Blätter, Früchte, Wurzeln |
Anthocyane | Rot, Blau, Violett | Blüten, Früchte, Blätter |
Betalaine | Rot, Gelb, Lila | Blüten, Früchte, Wurzeln |
Flavonoide | Gelb, Rot, Blau | Blüten, Blätter, Früchte |
Tannine | Braun, Rotbraun | Blätter, Rinde, Früchte |
Welche Pflanzen kann man zur Herstellung von Pflanzenfarben nutzen?
Es gibt eine Vielzahl von Pflanzen, die sich hervorragend zur Herstellung von Naturfarben eignen. Hier sind einige Beispiele:
Farbe | |
---|---|
Rot | Rote Bete, Krappwurzel, Hagebutten, Himbeeren, Granatapfel |
Gelb | Kurkuma, Schafgarbe, Zwiebelschalen |
Blau | Indigo, Rotkohl, Malve, Kornblumen |
Violett/Lila | Brombeeren, Heidelbeeren, Holunderbeeren, Lavendel |
Orange | Ringelblumen, Karotten, Sumpfdotterblume, Curry |
Grün | Spinat, Brennnesseln, Petersilie, Ackerschachtelhalm, Mate-Tee |
Braun | Walnussschalen, Eichenrinde, Kaffee, schwarzer Tee, Kakao |
Schwarz | Kohle |
So können Sie Naturfarben selbst herstellen

Pflanzenfarben können Sie auf unterschiedliche Art und Weise herstellen. Unter anderem können Sie folgendermaßen vorgehen:
➩ Früchte ausquetschen
Bei Früchten können Sie es sich ganz einfach machen. Und zwar genügt es hier vollkommen aus, wenn Sie diese zerstampfen und danach den Saft abseihen. Anschließend den Saft etwas mit Wasser vermischen. Doch Vorsicht: Gerade, wenn Sie z.B. einen Granatapfel auspressen, kann das eine unheimliche Schweinerei in der Küche verursachen. Schützen Sie daher sich selbst und Ihre Küche.
➩ Pflanzen in einem Mörser zerkleinern
Blüten und Blätter sollten Sie am besten in einen Mörser geben und zerkleinern. Anschließend etwas warmes Wasser hinzugeben und das Gemisch eine Weile stehen lassen. Hat das Wasser eine intensive Farbe angenommen, können Sie die Mischung durch ein Sieb gießen.
➩ Pulver aufgießen
Bei Kurkuma-Pulver, Kakao und Kaffee müssen Sie keinen großen Aufwand betreiben. Vermischen Sie diese „Farbstoffe“ einfach mit etwas Wasser und warten Sie eine Weile ab. Verwenden Sie bei Kaffee am besten heißes Wasser.
➩ Pflanzen/Gemüse kochen
Pflanzen können Sie auch kochen. Empfehlenswert ist diese Methode obendrein für Gemüsesorten wie Rote Bete oder Karotten. Gehen Sie dabei am besten wie folgt vor:
- Pflanzenteile zerkleinern:
Zerkleinern Sie die Pflanzenteile, um die Farbstoffe besser extrahieren zu können. Für Karotten und Rote Bete eignet sich zum Beispiel eine Reibe hervorragend. Für Blüten und Blätter ein Mörser. - Pflanzenteile kochen:
Geben Sie die zerkleinerten Pflanzenteile in einen Topf mit etwas Wasser. Bringen Sie das Wasser zum Kochen und lassen Sie das Ganze bei geringer Hitze etwa 15 bis 30 Minuten lang köcheln. Fügen Sie bei Bedarf noch etwas Wasser hinzu. - Filtern:
Filtern Sie die Pflanzenteile aus der Flüssigkeit, um eine klare Farblösung zu erhalten. Hierfür können Sie ein Sieb oder ein Geschirrtuch verwenden. Doch beachten Sie: verwenden Sie alte Geschirrtücher, bei denen es nicht schlimm es, wenn sie eine neue Farbe erhalten. Alternativ dazu können Sie das Gemisch auch einfach pürieren. - Farbe fixieren:
Um die Farbe haltbarer zu machen, können Sie ein Fixiermittel verwenden. Essig oder Salz sind hier die gängigen Mittel. Diese können sogar die Farbintensität beeinflussen. - Richtige Lagerung:
Geben Sie die Pflanzenfarben in saubere Gläser. Wenn Sie diese fest verschließen und im Kühlschrank aufbewahren, können Sie die Farben etwa ein bis zwei Wochen verwenden.
So verwenden Sie Ihre selbstgemachten Pflanzenfarben

Ihre selbstgemachten Pflanzenfarben können Sie nun auf ganz unterschiedliche Art und Weise verwenden. Sie können damit unter anderem kleine Kunstwerke malen, Stoffe und Eier färben oder Holz lasieren. Sie können mit den selbst hergestellten Pflanzenfarben sogar Rosen färben. Ihrer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.
🎨 Malen mit Pflanzenfarben
Die flüssigen Naturfarben lassen sich wunderbar für Malprojekte verwenden, ganz besonders für Kinder ist das eine spannende und kreative Erfahrung. So klappt es am besten:
- Farbkraft: Die Farbe zieht beim Trocknen leicht ins Papier ein und wirkt danach oft heller, das ist ganz normal.
- Papierwahl: Am besten geeignet ist dickes Papier, z. B. Aquarellpapier oder Tonkarton. Dünnes Papier weicht durch und wellt sich schnell.
- Farbauftrag: Der Farbsud kann direkt mit einem Pinsel, Wattestäbchen oder selbst gesammelten Naturmaterialien wie Blättern oder Federn aufgetragen werden.
- Konsistenz anpassen: Falls die Farbe zu flüssig ist, können Sie sie mit etwas Speisestärke andicken. Dafür einfach einen Teelöffel Speisestärke mit etwas Wasser glatt rühren, in die Farbe einrühren und kurz erwärmen, bis die Mischung leicht eindickt.
🥚 Ostereier färben mit Pflanzenfarben
Auch zum Färben von Ostereiern eignet sich der Farbsud hervorragend. Und so funktioniert es:
- Eier vorbereiten: Weiße, hart gekochte Eier eignen sich besonders gut. Vor dem Färben die Schale mit Essigwasser reinigen, damit sie fettfrei ist und die Farbe besser annimmt.
- Eier färben: Den Farbsud leicht erwärmen und die Eier je nach gewünschter Farbintensität 10 bis 60 Minuten darin ziehen lassen.
- Trocknen lassen: Die Eier vorsichtig aus dem Sud nehmen und auf Küchenpapier abtropfen und trocknen lassen.
- Optionaler Glanz: Wer möchte, kann die getrockneten Eier mit etwas Pflanzenöl einreiben. Das verleiht dem Osterei einen schönen Schimmer.
💡 Tipp: Für natürliche Muster auf dem Osterei, wie auf dem Foto, einfach kleine Blätter oder Blüten auf das Ei legen, mit einem Stück Nylonstrumpf fixieren und wie beschrieben färben. So entstehen feine, helle Abdrücke mit liebevollem Detail.
👕 Textilien mit Naturfarbe färben
Wenn Sie Stoffe färben möchten, empfiehlt es sich, Naturfasern wie Baumwolle oder Wolle zu verwenden, da diese die Farben am besten aufnehmen. Dazu nachfolgend ein interessantes Video.